Von Claudio Foresti
Prato Sornico - Soveltra Hütte und zurück

 

Wanderzeit: 2 Std 30

Die Dörfer Prato und Sornico sind die natürlichen Ausgangs- und Zielpunkte, um eine Wanderung zur Soveltra Hütte zu unternehmen.

Wenn man von Süden kommt ist man von der Pracht der großen bürgerlichen Häusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert beeindruckt. Diese bilden den Kern von Prato (742 M.ü.M.), am linken Flußufer auf dem Schuttkegel. Nach der Brücke, auf der rechten Seite des Platzes, dringt man in die engen Gassen des Dorfes ein und wird von den Dekorationen an den Fenstern, sowie von den Wappen der Patrizierfamilien (Mignami, Poncetta, Berna, Guidi, Medici), die auf den Faßaden gemalt sind, angezogen. Vom kleinen Platz im Dorfzentrum vor der Kirche (den Heiligen Fabian und Sebastian gewidmet und 1487 konsekriert) aus, kann man vier Gassen betreten. Man wähle die Hauptgasse links, auf der man, gerade nach der Kirche -immer auf der linken Seite-, dem Haus der Familie Berna begegnet. Im Haus befindet sich die Bibliothek der gleichnamigen Familie. Auf der Faßade steht der wunderschöne Balkon deutlich hervor, mit dem hochwertigen Geländer, deßen mittlere Medaillon das Wappen der Familie trägt.
Nach dem Dorf dringt man in die Val di Prato (Pratotal) ein und ist sofort von der Rüdheit der Landschaft beeindrückt. Auf dem Weg atmet man den Duft der Laubbäume (Kastanienbaum, Linde, Esche, Birke, Haselnuß), während man von Eidechsen oder Smaragdeidechsen, die unter vertrockneten Blättern und Steinen fliehen, überrascht wird. Auf dem gegenüberstehenden Hang, der nach Norden blickt, findet man hingegen vorwiegend eine typische alpine Vegetation. Dann begegnet man vielen Alpen (La Presa, Al Faèd), Zeugnisse des vergangenen Landlebens.
Nach ca. eine Stunde erreicht man Pradée (1000 M.ü.M.), die größte Alp. Sie ist vom heiligen Buchenwald geschützt, der früher, wie der Rest dieser Gegend, bewohnt war. In diesem malerischen Winkel des Tales, befindet sich das S.Carlo Oratorium (1618), vor kurzem renoviert. Die Eigenartigkeit und Schönheit von Pradée sind auch den bezaubernden Wasserfällen zu verdanken. Diese sind aber leider nur nach begiebigen Regenfällen ganzheitlich zu bewundern. Weiter vorne verzweigt sich der Weg: nach Rechts führt er nach Sonogno im Verzascatal durch den Passo Redorta, nach links kommt man zu den höheren Alpen (Schièd, La Fronda und weiter oben Corgell); hier hört die befahrbare Straße auf und man beginnt den Aufstieg zur Hütte auf einem Bergweg. Aus diesem Punkt aus, kann man beobachten, wie das Wasser in eine Röhre gedrängt wird, um zu den hydroelektrischen Kraftwerken Cavergno und Verbano geleitet zu werden. Der Weg führt sehr rasch zum beeindrückendsten Punkt. Kurz bevor steht die S. Lorenzo Kapelle. Sie war früherl ein Aufenthaltspunkt nicht nur für Männer, sondern auch für's Vieh, das hier momentan festgebunden werden konnte, bevor man den beanspruchenden "Scalinate" Aufstieg unternahm. Diese "Scalinate" sind eine Art Treppe aus Mauer, die über einer Schlucht gebaut wurden. Dieser war früher der Weg der Alp und wurde meistens von Alpler benutzt, die schwer beladen hinauf und hinab gingen, weil, vor dem Bau der Luftseilbahn, alle Alpenprodukte durch diesen engen Durchgang mußten. Ende Juni und im September führte man auch das Vieh auf diesem Weg (vor 50 Jahren, gabs mehr als 100 Kühe, 300 Ziegen und ca. 20 Schweine). Dieser Durchgang ist besonders faszinierend im Punkt wo der Weg fast bis zum Fluß hinab führt, um dann wieder hinaufsteigen auf einer langen und steilen Treppe (die "Scalada Longa").
Nach den "Scalinate" und nach der Brücke "Ponte della Campea", öffnet sich das Tal wieder und man ist von Alpenweiden umgeben, wo Blumen, Heidekraut Rhododendron- und Heidelbeerbüsche eine spontane und bezaubernde Komposition bilden. In wenigen Minuten erreicht man die Soveltra Hütte, von der man einen wunderschönen Blick auf die prächtigen Spitzen der Umgebung, die vom zentralen Pizzo Campo Tencia (der einzige 3000er vollständig auf Tessiner Gebiet) dominiert ist, genießt. An seinen Füßen befinden sich zahlreiche Alpen: Fontana, Campala, Campo Tencia und Soveltra. Die Gegend bietet interessante Wanderrouten ,unterschiedlich an Wanderzeit und Schwierigkeitsstufe, an (Wanderungen auf jeder verschiedenen Alp: Fontana, Campo Tencia, Soveltra und Campala, die Ueberquerung Passo Fornale-Lago Mognola mit Abstieg nach Fusio, die Ueberquerung Bassa Campala-Barone Hütte, die Bergtouren auf den Spitzen: Tencia, Barone, Ruscada, Madas).
Nach einer erholsamen Pause in der schönen und gemütlichen Soveltra Hütte (ehemaliger Stall, 1927 gebaut) , wer für diese Wanderung keine Zeit mehr hat, kann zurück nach Prato Sornico. Aber nicht mehr über die Schlucht, sondern indem er in 20 Minuten die Maierei Cascina Nova der Campala Alp, die auf einer natürlichen Terrasse am gegenüberstehenden Hang in einer wunderschönem Torfgrubengegend, erreicht. Während der Abfahrt, erreicht man die Campala Hütte und danach genießt man einen schönen Blick über das Pratotal und somit über die hintergelaßene Strecke. Am Ende des Pratotals, fährt man weiter der Hauptstraße entlang, um das Dorf Sornico (754 M.ü.M., ehemaliger Hauptort der Lavizzara Gemeinschaft und dann provisorische Residenz des Landvogten) zu besichtigen. Das Dorf behält die ältesten historischen und architektonischen Zeugnisse der Region. Das Kern des Dorfes Sornico besteht aus Bauten aus dem 16. Jahrhundert, welche die prächtige Kirche umgeben. Eine große Treppe führt zur Kirche und rechts ist das Justizgebäude oder Haus des Landvogten (Gebäude aus dem Jahre 1576 mit drei Bogengängen; neben den zwei kleinen Gefängnißen ist auch einen Pranger zu besichtigen). Die S. Martino Kirche ist die erste Kirche der Lavizzara und geht auf dem 14. Jahrhundert zurück. Sie wurde schon um das Jahr 1000 genannt und ist also eine der ersten Kirchen des Maggiatales. Neben ihr erhebt sich, als ob er über das Dorf wachen würde, der hohe Glockenturm (aus dem Jahr 1628, 47 m hoch); nicht weit weg findet man eine "Torba", einen alten Getreidespeicher aus Holz, der auf Pfeilern steht (schon im Jahre 1376 genannt). Auf dem kleinen Platz im Dorfzentrum steht das Haus Moretti, früher Cotti genannt, mit Graffiti an den Fenstern und seinem unechten Bossenwerk; es ist eins der wenigen Häuser der Gegend, das teilweise aus Holz gebaut ist.